Vier Merkmale, bevor jemand die Wand aufmacht
Ob eine Wand trägt, lässt sich vor dem ersten Schlag weit eingrenzen. Vier Merkmale führen zusammen zu einer belastbaren Vermutung: die Rohwandstärke, die Lage der Wand über alle Geschosse, der Klang beim Klopfen und die Spannrichtung der Decke. Keines davon ersetzt den Nachweis. Zusammen sagen sie Ihnen aber, ob Sie mit 400 Euro oder mit 4.000 Euro rechnen sollten.
Wer das früh weiß, holt den Statiker vor dem Aufmaß und nicht mitten in der Baustelle. Die Spannweiten und Preise zur Öffnung selbst stehen unter Wanddurchbruch: Kosten und Öffnungsbreiten.
Die Wandstärke und was sie wirklich sagt
Die Wandstärke ist das erste Maß, und sie zählt ohne Putz. Putz trägt je Seite 1 bis 2 Zentimeter auf. Eine Wand mit 15 Zentimetern Gesamtmaß hat darunter oft 11,5 Zentimeter Ziegel. Messen lässt sich das sauber an der Türlaibung oder an einer geöffneten Steckdose.
| Rohwandstärke ohne Putz | Was im Mauerwerksbau meist dahintersteckt | Einordnung |
|---|---|---|
| 6 bis 10 cm | Ständerwerk mit Beplankung, Lehmstaken, Gipsdielen | in der Regel ohne Deckenlast |
| 11,5 cm | Ziegel halbsteinig, Läuferverband | meist ohne Deckenlast, kann aussteifen |
| 17,5 cm | Mauerwerk im Verband mit der Decke | meist tragend |
| 24 cm | Mittelwand, Treppenhauswand | tragend |
| 36,5 cm und mehr | Außenwand, Brandwand, Mittelwand im Keller | tragend |
Die Reihe gilt für Mauerwerksbauten, also für den größten Teil des Berliner Bestands bis 1968. Eine Wand mit 11,5 Zentimetern kann aussteifend wirken und Querkräfte abtragen, ohne eine Decke zu halten. Auch eine aussteifende Wand wird nur mit Nachweis geöffnet.
Klopfen, bohren, messen
Klingt es hell und hohl, steht dort meist eine Leichtbauwand. Klingt es dumpf und satt über die ganze Fläche, ist die Wand massiv. Massiv und tragend sind allerdings zwei verschiedene Aussagen.
Die Bohrprobe bringt das Material ans Licht. Roter Staub weist auf Ziegel, grauer auf Beton oder Kalksandstein, weißer und weicher auf Gips. Vor dem Bohren gehört ein Leitungssuchgerät an die Wand.
Die Lage über den Geschossen
Tragende Wände stehen übereinander. Sie beginnen am Fundament und laufen bis unter das Dach, weil Lasten den kürzesten Weg nach unten nehmen. Steht die Wand in der Wohnung darüber und darunter an derselben Stelle, spricht viel für eine tragende Wand.
Im Keller wird es am deutlichsten. Unter einer tragenden Wand steht dort ein Streifenfundament oder eine Wand aus 36,5 Zentimetern. Endet die Wand im Keller einfach, trägt sie oben meist keine Decke.
Die Spannrichtung der Decke
Deckenbalken und Deckenplatten liegen auf zwei gegenüberliegenden Wänden auf. Genau diese beiden Wände tragen. Wände, die parallel zur Spannrichtung stehen, halten in der Regel keine Deckenlast.
Im Altbau zeigt der Dielenboden die Richtung an. Dielen laufen immer quer zu den Balken darunter, und die Nagelreihen markieren jeden einzelnen Balken. In der Wohnung darunter folgen Deckenrisse häufig derselben Balkenlage.
Im Plattenbau übernimmt die Decke selbst diese Auskunft. Zwischen den Deckenplatten zeichnen sich Fugen ab, meist als feine Linie im Anstrich. Diese Fugen laufen parallel zur Spannrichtung, und die Platten liegen an ihren Enden auf den tragenden Querwänden auf.
Gründerzeit bis 1918: die Mittelwand trägt das Haus
Das Berliner Mietshaus hat ein einfaches Tragsystem. Zwei Außenwände und eine durchlaufende Mittelwand nehmen die Decken auf. Die Holzbalkendecke spannt von der Außenwand zur Mittelwand, meist über 4,5 bis 6 Meter. Die Mittelwand misst unten häufig 36,5 Zentimeter und oben 24.
Die Wände zwischen den Zimmern sind leichter gebaut. Üblich sind Ziegel halbsteinig mit 11,5 Zentimetern, Lehmstakenwände mit 8 bis 12 Zentimetern und Gipsdielen aus späteren Umbauten. Diese Trennwände halten in der Regel keine Decke.
Eine Beobachtung hilft weiter: Steht im Geschoss darüber dieselbe Wand an derselben Stelle, wurde sie beim Bau oft als Lastweg genutzt. Dann liegt unter ihr ein Unterzug. Welche Bauart wo steht, ordnen die Baualtersklassen im Berliner Bestand ein.
Plattenbau: hier gilt die Reihe zur Wandstärke nicht
In den Bauten der Jahre 1969 bis 1990 sind auch schlanke Wände tragend. Innenwände aus Beton mit 12 bis 14 Zentimetern nehmen dort Deckenlasten auf. Wer die Faustregel aus dem Mauerwerksbau anlegt, liegt in der Platte regelmäßig daneben.
Der Regelfall ist klar: Die Querwände tragen, also die Wände quer zur Längsachse des Hauses. Auf ihnen liegen die Deckenplatten auf. WBS 70 und P2 unterscheiden sich allerdings in der Spannrichtung dieser Platten. Deshalb lässt sich Erfahrung aus einem WBS 70 nicht auf ein P2 übertragen.
Zwei Dinge kommen dazu. In den Wänden liegen Bewehrung und Leitungen, die vor dem Eingriff geortet werden. Und die Zustimmung der Genossenschaft oder der Eigentümergemeinschaft gehört in die Planung, bevor ein Termin steht.
Zwischenkriegs- und Nachkriegsbau
In den Siedlungsbauten der Jahre 1919 bis 1948 und in den Zeilenbauten der Nachkriegsjahre sind die Grundrisse eng geschnitten. Wanddurchbrüche gehören dort zu den häufigsten Aufträgen, meist zwischen Küche und Wohnraum. Die Wände sind massiv, und ab 17,5 Zentimetern hält die Vermutung tragend erfahrungsgemäß gut.
Bauakte und Grundriss beim Bezirksamt
Die Bauakte liegt im Bauaktenarchiv des Bezirksamts, in dem das Haus steht. Eigentümer bekommen auf Antrag Einsicht, gegen eine Gebühr. In der Akte finden sich Grundrisse mit eingetragenen Wandstärken, Schnitte und gelegentlich ein Deckenplan mit der Balkenlage.
Bei Eigentumswohnungen hilft der Aufteilungsplan aus der Teilungserklärung weiter. Verwaltungen und Genossenschaften haben außerdem oft eigene Bestandsunterlagen, besonders in den großen Wohnanlagen der Platte.
Wer entscheidet: der Statiker
Die Entscheidung trifft ein Tragwerksplaner. Er ermittelt die Lasten, bemisst Sturz und Auflager und verfolgt den Lastweg bis zum Fundament. Das Ergebnis ist ein schriftlicher Nachweis mit Positionsplan und Angaben zur Abfangung während der Arbeiten. Dafür liegen 500 bis 1.200 Euro je Vorgang an.
Diese Aufgabe gehört keinem anderen Beteiligten. Ob zusätzlich eine Bauvorlage beim Bezirksamt nötig wird, klärt derselbe Statiker oder ein Architekt. Wir binden ihn ein und koordinieren die Termine, ausgestellt werden die Unterlagen von ihm.
Für den Termin bringen Sie am besten vier Dinge zusammen: Baujahr, Grundriss der Wohnung, die gemessenen Wandstärken und Fotos der Wand mit den angrenzenden Räumen. Liegt der Deckenplan aus der Bauakte vor, verkürzt das die Ortsbesichtigung spürbar. Fehlt er, öffnet der Statiker eine kleine Sondierstelle im Putz.
Tragende Wände in der Eigentümergemeinschaft
Tragende Wände gehören zum Gemeinschaftseigentum, auch wenn sie mitten in Ihrer Wohnung stehen. Ein Durchbruch braucht deshalb einen Beschluss der Eigentümerversammlung. Eingereicht wird über die Verwaltung, mit Zeichnung, Nachweis und einer Beschreibung der Bauzeit.
Nicht tragende Trennwände innerhalb der Wohnung zählen in der Regel zum Sondereigentum. In einem Milieuschutzgebiet kommt die Genehmigung des Bezirks dazu, sobald sich der Grundriss ändert. Welche Gebiete das betrifft, steht unter Milieuschutz in Berlin.
Was ein Durchbruch kostet
| Leistung | Preis | Bezugsgröße |
|---|---|---|
| Statiker, Nachweis für die Öffnung | 500–1.200 € | je Vorgang |
| Öffnung in einer nicht tragenden Wand | 400–900 € | je Öffnung |
| Öffnung in tragender Wand, bis 1,25 m | 2.500–4.500 € | je Öffnung |
| Öffnung in tragender Wand, bis 3 m | 4.000–8.000 € | je Öffnung |
Die Bezugsgröße ist die einzelne Öffnung, nicht der Quadratmeter Wandfläche. Enthalten ist der Rohbauteil: Abfangung, Öffnen, Sturz einbauen, Schutt abfahren. Putz, Anstrich und der Anschluss des Bodens rechnen über ihre eigene Fläche ab.
Vier Punkte bewegen die Summe innerhalb der Spanne. Die Öffnungsbreite bestimmt Profil und Gewicht des Sturzes. Die Last aus den Geschossen darüber entscheidet, wie aufwendig abgefangen wird. Dazu kommen die Zugänglichkeit für Gerät und Schutt sowie die Frage, ob Leitungen in der Wand liegen.
Ein Beispiel: Eine Öffnung von 2,40 Metern zwischen Küche und Wohnzimmer fällt in die Zeile bis 3 Meter. Kalkuliert wird mit 4.000 bis 8.000 Euro je Öffnung, dazu der Nachweis. Für selbst genutzten Wohnraum sind nach § 35a EStG 20 Prozent des Lohnanteils absetzbar, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Stand ist das Jahr 2026, und die Regeln ändern sich.
Welcher Handwerker macht was
Die Frage kommt am Telefon fast immer in dieser Form: Wer macht so einen Durchbruch? Die Antwort ist eine Reihenfolge und keine einzelne Firma.
- Der Statiker liefert Nachweis, Sturzbemessung und die Vorgabe zur Abfangung.
- Maurer oder Betonbauer stellen die Abfangung, öffnen die Wand und setzen den Sturz.
- Die Entsorgung läuft über Container, ein 7 m³ Container liegt bei 350 bis 650 Euro je Stück.
- Putz oder Trockenbau schließen die Laibung und die Anschlüsse an die Decke.
- Maler und Bodenleger stellen die Oberflächen im Raum wieder her.
Die Rohbauschritte gehören zu den Maurer- und Betonarbeiten, das Abfahren zum Bereich Abbruch und Entkernung. Werden Wände nicht nur geöffnet, sondern versetzt, kommen neue Ständerwände im Trockenbau dazu.
Was wir davon übernehmen
Wir öffnen und versetzen Wände in Berliner Wohnungen, vom einzelnen Durchbruch bis zum neuen Grundriss in der Kernsanierung. Beim Vor-Ort-Termin messen wir die Wandstärken ohne Putz, prüfen die Lage über den Geschossen und die Spannrichtung. Den Statiker beauftragen und koordinieren wir mit, den Antrag an die Eigentümergemeinschaft bereiten wir zeichnerisch vor.
Rufen Sie mit Baujahr, Wandstärke und gewünschter Öffnungsbreite an: 030 8268 9996, Montag bis Freitag zwischen 7 und 18 Uhr. Wenn Sie lieber schreiben, nutzen Sie das Formular unten auf der Seite. Wir schlagen Ihnen dann einen Termin zum Aufmaß vor.
