Was in Berliner Wohnungen an Stuck vorkommt
Der Stuck im Berliner Mietshaus ist Handwerk in Serie. Er entstand auf zwei Wegen, und daran hängt bis heute, wie er ergänzt wird. Gezogen wurden die langen Läufe direkt im Raum: die Hohlkehle am Übergang von Wand zu Decke, das gegliederte Gesims darunter, gelegentlich ein Deckenspiegel als umlaufender Rahmen. Gegossen wurden die Einzelteile: Rosetten, Konsolen, Eckstücke und Ornamentbänder.
Das Material ist Stuckgips, bei größeren Teilen mit Jute, Leinen oder Schilfrohr armiert. Diese Armierung ist der Grund, warum hundert Jahre alte Profile noch an der Decke hängen. Sie ist auch der Grund, warum sich beschädigte Teile ergänzen lassen, statt sie im Ganzen zu ersetzen. Ab welchem Baujahr überhaupt Stuck zu erwarten ist, steht in der Übersicht der Baualtersklassen im Berliner Bestand.
Zugstuck: wie ein Profil im Raum entsteht
Für gerade Läufe wird das Profil vor Ort gezogen. Aus einem Zinkblech wird der Querschnitt geschnitten und auf einen Holzträger gesetzt, die Schablone. An Wand und Decke kommen Laufschienen, an denen die Schablone geführt wird. Dann wird Stuckgips in mehreren Lagen aufgetragen und nass in nass abgezogen, bis das Profil steht.
Zuletzt werden die Schienen entfernt, die Ansatzstellen werden von Hand nachgearbeitet, Ecken und Gehrungen ebenso. Dieses Verfahren spielt seine Stärke aus, sobald längere Strecken fehlen oder ein Raum nach einem Wandabbruch einen neuen, durchlaufenden Lauf braucht. Die Profilhöhe wird dabei vom erhaltenen Nachbarraum übernommen.
Abformen: wenn das Ornament die Vorlage ist
Rosetten, Konsolen und Ornamentbänder lassen sich nicht ziehen. Hier wird das vorhandene Stück abgeformt. Dafür wird die Vorlage gereinigt, gefestigt und mit Trennmittel behandelt. Darauf kommt Silikon in mehreren Aufträgen, gestützt von einer Schale aus Gips oder Laminat, damit die Form ihre Geometrie hält.
Aus dieser Form entstehen beliebig viele Abgüsse in Stuckgips, größere Teile mit Jute oder Glasfaser armiert. Die Teile härten aus, werden an der Rückseite abgeglichen und mit Gipsmörtel versetzt, große Rosetten zusätzlich verschraubt. Die Fugen zum Bestand werden angezogen und nachgeschnitten. Das Ergebnis ist ein Raum, in dem sich ergänzte und originale Teile nicht mehr auseinanderhalten lassen.
Was Ergänzungen kosten
| Leistung | Preis | Was den Wert bestimmt |
|---|---|---|
| Stuckprofil ergänzen | 40 bis 120 € je lfm | Ansichtshöhe, Zahl der Glieder, vorhandene Vorlage, Arbeitshöhe |
| Stuckrosette ergänzen | 150 bis 600 € je Stück | Durchmesser, Tiefe des Ornaments, Aufwand für Form und Versatz |
| Innenputz Q2 | 25 bis 45 € je m² Wandfläche | Untergrund, Putzstärke, Anschlüsse |
| Spachteln bis Q3 mit Anstrich | 42 bis 70 € je m² Wohnfläche | Deckenspiegel, Streiflicht, Anzahl der Durchgänge |
Die Bezugsgröße gehört zu jeder Zahl: Profile und Rosetten rechnen nach laufendem Meter und Stück, Putz nach Wandfläche, Spachtel- und Malerarbeiten nach Wohnfläche. Als Umrechnung gilt rund 2,7 Quadratmeter Wand- und Deckenfläche je Quadratmeter Wohnfläche bei 2,50 Metern Raumhöhe. In hohen Altbauräumen liegt dieser Wert entsprechend höher.
Farbschichten abnehmen
Über die Jahrzehnte kommen auf einem Profil 6 bis 15 Anstriche zusammen. Zuunterst liegt meist Leimfarbe aus der Bauzeit, darüber Ölfarbe und zuletzt Dispersion. Jede Schicht rundet Kanten ab, bis ein Zahnschnitt wie eine Welle aussieht.
Leimfarbe geht mit warmem Wasser, Schwamm und weicher Bürste ab. Ölfarbe und Dispersion brauchen mehr: eine Kompresse mit Abbeizpaste oder Heißdampf, danach wird schichtweise mit Holzspachtel und Skalpell gearbeitet, in den Kehlen mit gebogenen Werkzeugen. Anschließend wird neutralisiert, die Fläche trocknet mehrere Tage durch, dann folgen Grundierung und neuer Anstrich. Den Anstrich auf Wand und Decke rechnen unsere Maler mit 18 bis 32 Euro je Quadratmeter Wohnfläche ab.
Anschluss an neuen Putz
Wo Wände neu verputzt oder gespachtelt werden, entscheidet sich am Anschluss, wie der Stuck später wirkt. Die neue Putzebene wird auf die Unterkante des Gesimses eingemessen. Läuft sie zu dick auf, verliert das Profil Ansichtshöhe und wirkt gedrückt.
Am Übergang zwischen altem Gips und neuem Putz läuft eine Kellenschnittfuge, die Bewegungen aufnimmt und einen sauberen Riss verhindert. Auf großen Flächen kommt eine Armierung in die oberste Lage. Wo eine Decke neu gespachtelt wird, arbeitet man an der Kehle von Hand und zieht die letzte Lage an das Profil heran. Wie Putz, Spachtel und Stuck auf einer Baustelle ineinandergreifen, steht unter Stuck- und Putzarbeiten.
Leitungen führen, ohne den Stuck anzugreifen
Die neue Elektroinstallation ist der häufigste Grund, aus dem Stuck zu Schaden kommt. Deshalb wird die Leitungsführung vor dem ersten Schlitz festgelegt. Der Hauptweg liegt im Fußboden: In der Schüttung zwischen den Balken lassen sich Rohre führen, von dort gehen kurze Stiche in der Wand nach oben.
Deckenauslässe werden über die vorhandene Öffnung in der Rosette bedient, die schon für die alte Leuchte da war. Wo zusätzliche Auslässe gewünscht sind, hilft die Hohlkehle, hinter der Platz für einzelne Leitungen bleibt. In Räumen ohne Profile, etwa Bad, Küche und Abstellraum, wird normal geschlitzt. Elektro läuft dabei über feste Partnerbetriebe, die mit uns im selben Bauzeitenplan stehen; für Sie bleibt es ein Vertrag. Die Reihenfolge dieser Arbeiten beschreibt Elektro im Altbau erneuern.
Deckenhöhe und Proportion
Stuck ist eine Frage des Maßstabs. Im Vorderhaus mit 4,00 bis 4,20 Metern Raumhöhe, wie in vielen Wohnungen rund um den Klausener Platz, tragen Kehle und Gesims zusammen 35 bis 45 Zentimeter Ansichtshöhe. Bei 3,20 Metern sind 20 bis 30 Zentimeter stimmig. Im Seitenflügel mit 2,90 Metern passt eine schlichte Kehle von 10 bis 15 Zentimetern.
Es gilt außerdem die Hierarchie der Räume aus der Bauzeit. Der Salon zur Straße bekam das reichste Profil, das Berliner Zimmer ein mittleres, Kammer und Küche eine einfache Kehle oder gar nichts. Wer ergänzt, hält diese Abstufung ein, damit die Wohnung zusammenbleibt. Dieselbe Hierarchie findet sich in den Vorderhäusern in Charlottenburg wie in den Seitenflügeln in Prenzlauer Berg.
Stuck unter abgehängten Decken der Siebziger
In vielen Modernisierungen der sechziger und siebziger Jahre wurden Decken abgehängt, mit Holzpaneelen, Gipsplatten oder Mineralfaserplatten auf einer Lattung. Darüber liegt oft der komplette Originalstuck. Drei Hinweise deuten darauf hin: eine Raumhöhe unter 2,80 Metern in einem Haus aus der Zeit vor 1918, ein Fenster, dessen Oberkante hinter der Decke verschwindet, und ein Türsturz, der tiefer sitzt als die Deckenfläche.
Der Blick durch den Leuchtenauslass bringt Klarheit, meist genügt eine Taschenlampe. Beim Rückbau wird die Unterkonstruktion vorsichtig gelöst, weil die Lattung häufig in den Stuck gedübelt wurde. Fehlstellen an diesen Punkten und angeschnittene Kehlen sind der übliche Befund, und genau dafür gibt es Zugschablone und Silikonform. Gewonnen werden dabei 30 bis 50 Zentimeter Raumhöhe.
Was wir am Stuck übernehmen
Stuckateur-, Putz- und Spachtelarbeiten machen unsere eigenen Leute. Beim Termin vor Ort nehmen wir die Profile auf, notieren Ansichtshöhe und Gliederung, halten Fehlstellen in laufenden Metern fest und prüfen, welche Vorlage sich zum Abformen eignet. Das Angebot weist Profilmeter, Rosetten, Freilegung und Malerarbeiten getrennt aus, zum Festpreis.
Wenn Sie anrufen, sagen Sie uns Raumhöhe, Bezirk und ob die Decken abgehängt sind. Die Nummer ist 030 8268 9996, erreichbar von Montag bis Freitag zwischen 7 und 18 Uhr. Fotos helfen sehr: eine Aufnahme der Zimmerecke, eine der Fehlstelle und eine des Profils im Querschnitt, gern über das Formular unten auf der Seite.
